SVP-Bashing
Seriöse Berichterstattung über die Politik unseres Landes wird in Schweizer Medien zunehmend zum raren Gut. Die Medien (Ausnahmen ausgenommen) kommen ihrem Auftrag nach umfassender Berichterstattung über einzelne politische Sachvorlagen und Geschäfte nicht mehr nach. Sie informieren das Volk mangelhaft und zeigen die Hintergründe sowie die Vor- und Nachteile politischer Geschäfte nicht auf. Stattdessen betreiben sie seit Monaten ein SVP-Bashing.
Eine gegen die SVP gerichtete Hetzkampagne nach der anderen wird gestartet. Es ist von Widmer-Schlumpf, SVP-Dissidenten, dem SVP-Stil und einer SVP-Spaltung die Rede. Dabei sollte eigentlich nach dem DOK-Film des Schweizer Fernsehens jedem klar sein, weshalb sich die SVP von Widmer-Schlumpf getrennt hat. Dass dabei die Bündner SVP mit ausgeschlossen wurde, war unschön aber aufgrund des Verhaltens von Widmer-Schlumpf sowie im Hinblick auf eine konsequente SVP-Politik, nicht anderst lösbar. Ich verstehe, dass die Medien daraus eine Geschichte gemacht haben. Was ich allerdings nicht mehr verstehe ist, dass ständig weiterhin darauf herumgeritten wird und man nun von Seiten der Medien her versucht innerhalb der SVP Leute zu finden, die sich negativ über die eigene Partei äussern. Alles nur um wieder eine gute Story zu bekommen?
Ein weiteres Indiz für das Medien-Bashing ist die Abstimmungsniederlage der SVP vom 1. Juni 2008. Sofort spekulierte man wieder über einen möglichen Rücktritt Christoph Blochers aus dem Vizepräsidium der SVP-Schweiz bzw. einem Kurswechsel der SVP usw. Was aber nicht geschrieben wurde ist, dass es der SVP trotz der Tatsache, dass alle anderen Parteien gegen die Initiative für demokratische Einbürgerungen der SVP waren, gelungen ist, ihr Wählerpotential von 29% Wählerstimmen zu toppen. So unterstützten immerhin 36.2% der an der Abstimmung teilnehmehnden Stimmbürger die “Initiative für demokratische Einbürgerungen” der SVP!
Im Vergleich dazu unterstützten am 11.03.2007 nur 28,8% der an der Abstimmung teilnehmenden Stimmberechtigten die Volksinitiative der SP “Für eine soziale Einheitskrankenkasse”!
Auch die Volksinitiative “Für kürzere Arbeitszeit” des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (der gerne Propaganda mit behinderten Bundesräten oder unheimlichen Patrioten veröffentlicht) wurde am 3. März 2002 von nur 25.4% der an der Abstimmung teilnehmenden Stimmberechtigten angenommen.
Die SVP kann also immer noch mehr Leute für ihre Vorlagen mobilisieren als die SP. Sie kann sogar über ihre Stammwähler hinaus Leute für ihre Vorlagen mobilisieren.
Wenn man die Medienberichterstattung liest, könnte man den Eindruck gewinnen, dass der Stil SVP das grösste politische Problem unseres Landes wäre. Dem ist jedoch nicht so. Entscheidend ist, ob die Schweiz ihre Eigenständigkeit und Freiheit bewahren kann oder ob sie in der EU aufgehen wird. Es geht auch darum ob die demokratischen Volksrechte erhalten bleiben oder verlorengehen. Letztlich geht es darum, ob die Demokratie durch einen Richterstaat, der internationalen Verträgen verpflichtet ist, ersetzt wird oder nicht.









Die Medien haben nicht berichtet, dass die liberalen Kräfte in unserem Land die Abstimmung gewonnen hätten, sondern dass die SVP sie verloren habe. Wenn ich die Zeitung aufmache schreit mir hier Brunner, dort Blocher und öfters auch mal Widmer Schlumpf entgegen - die SVP ist für sich genommen bereits ein Aufmacher. Das nutzt Ihr auch ganz gezielt: Wenn Peter Spuhler (nicht die Medien - gell!) den Abgang Blochers richtig terminieren will, gibt das natürlich eine Menge Echo. Also darf angesichts der Geister, die man selbst rief, nicht weinen.
Aufregen darf man sich höchstens über die primitive Form des Bashing, über Leute, die nicht auf der sachlichen, sondern emotionalen Ebene argumentieren. Das dürfte Euch ja bekannt vorkommen.
Die Medien konnten ja auch nicht darüber berichten, dass die liberalen Kräfte gewonnen haben! Denn die liberalen Kräfte haben den Abstimmungskampf verloren. Es sind die Etatisten und Obrigkeitsgläubigen also jene, welche die Demokratie durch einen Richterstaat ersetzen wollen, die am 1. Juni 2008 auf der ganzer Linie gewonnen haben.
Mir geht es bei diesem Thema übrigens nicht darum, ob das SVP-Bashing der SVP nützt oder nicht. Es geht mir um die Rolle der Medien. Sollen Medien Helfershelfer der SVP sein indem sie dieser mit dem SVP-Bashing nützen? Haben sie einen Informationsauftrag? Oder dienen Sie doch nur der allgemeinen Belustigung und Unterhaltung?
Was Peter Spuhler anbelangt, er ist weder die SVP (er ist nur SVP-Nationalrat) noch vertritt er mit seiner jüngst in den Medien breitgetretenen Äusserung die Meinung derjenigen, welche am vergangenen Oktober Blocher gestärkt haben indem sie die SVP gewählt haben.
Anbei noch einmal zur Erinnerung das Plakat, mit welchem die SVP im Wahlkampf zu den Erneuerungswahlen im National- und Ständerat 29% der Wählerstimmen geholt hat:
Völlig absurd ein paar Monate später bereits über Blochers Rücktritt zu philosophieren. Genauso absurd übrigens wie Spuhlers Idee, dass Widmer-Schlumpf temporär für die Zeit ihrer Amtszeit aus der SVP austreten solle. Für mich läuft das unter dem Kapitel “Spuhlers Schnappsideen”.
“Die Medien” sind gewinnorientierte Unternehmen und Spektakel verkauft sich nun einmal gut. Die SVP gibt sich als Bierzelt-Spektakel-Tumult-Partei und macht deshalb gut Schlagzeilen. Jetzt die Rolle der Medien in Frage zu stellen, nur weil Ihr mal ausnahmsweise nicht als Sieger dasteht, ist dann doch etwas aus der Kategorie beleidigte Leberwurst, meinst Du nicht?
PS: Spuler ist eines Eurer stärksten Assets. Da würde ich nicht leichtfertig von Schnapsideen reden.
Lese ich diesen konstruktiven Vorschlag in diesem Artikel: wir sollten SF-DOK-Film-Gläubige werden? Aha.
Michael, das mit der Bierzelt-Spektakel-Tumult-Partei ist ein fertiges Klischee, es ist das Image, welches die Linken und einige Medien verbreiten. Mit der Realität hat dieses Image nichts zu tun, dies erkennt jeder, der sich eingehend mit der Schweizer Politik befasst und unter der Klischee-Oberläche kratzt.
Sicherlich sind die Medien Unternehmen, die Gewinne machen müssen. Dagegen ist sicher nichts einzuwenden. Doch wenn Medien ernst genommen werden wollen, müssen sie seriöser werden und umfassender informieren. Auch Fakten können interessant sein. Zudem kann man nicht nur von Codex usw. reden, man muss sich dann auch daran halten. (Sonst ist es nur ein Marketing-Gag)
Was die beleidigte Leberwurst anbelangt, wieso sollte ich beleidigt sein? Ich bin nicht die SVP.
Zum PS: Die SVP hat viele starke Assets. Ich habe eingehend erklärt weshalb ich Spuhlers Äusserungen unter dem Kapitel: “Spuhlers Schnappsideen” einordne. Dazu stehe ich, zudem bin ich nicht obrigkeitsgläubig. Blinde Staats-, Richter- und Obrigkeitsgläubigkeit ist ein Phänomen, welches eher in linken Parteien verbreitet ist.
Ich lebe im St. Galler Rheintal, der Heimat Jasmin Hutters. Wir haben hier noch mehr von diesem Schlag und glaube mir: hier ist die SVP genau das: eine Bierzelt- und Stammtisch-Partei. Vielleicht täte es dem Herrn Publizisten mal gut, ein bisschen an der eigenen Basis zu schnüffeln. Ich lade Dich gerne zur kommenden Bilateralen-Schlacht in die Ostschweiz ein, dann kannst Du die Kameraden live erleben. Von wegen Klischee-Oberfläche…
Lieber Herr Müller - sie kennen ja wohl den Volksspruch: Wer Gewalt sät, wird sie auch ernten - oder: Wie man in den Wald ruft, so tönt es zurück.
Eben!
Hat nicht die SVP insinuiert, sie hätte 30 % erhalten. Dabei waren’s nur 30 % von xx % der Abstimmungsberechtigten!
Solange sich die SVP weiterhin selber zum Thema macht und keine “neuen” politischen Anliegen bringt, ist sie auf jeden Fall in der Defensive.
Wenn es um die Pfründe der Mitglieder der SVP geht, ist ja auch immer Funkstille angesagt. Ich jedenfalls identifiziere mich mit diesem Staat, die Frage ist einfach, wer hat das Sagen! SVP Leute lehnen immer grad “den Staat” ab, statt die Machtverhältnisse zu thematisieren. Und so machtlos werkeln sie da nicht immer herum…
Michael, ich verstehe nicht genau was du mit Jasmin Hutter hast und mit “diesem Schlag” meinst, ich fühle mich jedenfalls nicht angesprochen. (Wie gesagt ich bin selber gebürtiger Rheintaler, habe zudem die 1. neunzehn bis zwanzig Jahre lang dort gelebt) In Zürich bin ich schon an mehreren Parteiversammlungen und kürzlich an einer Delegiertenversammlung gewesen. Ein Bezug zur Basis ist somit gegeben, ich betrachte mich selber als Teil davon.
Tin, der Spruch ist mir geläufig. Kennen Sie den Spruch: “Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein”? Bei Darbellay und Meier-Schatz hat er sich bewahrheitet.
Thommen, ich nehme an, dass Sie die National- und Ständeratswahlen 2007 meinen. Die Wahlbeteiligung betrug schweizweit 48,3 %. Von diesen 48,3 aller Stimmberechtigten entschieden sich 28.9% für die SVP und 19.5% für die SP. Alles klar?
Die SVP kann sich gar nicht zum Thema machen. Soweit ich weiss, entscheiden nämlich immer noch die Chefredaktoren was in ihren Blättern für Themen priorisiert werden. Oder glauben Sie etwa, dass der Tagi, der Blick und die WOZ schreiben was die SVP-Parteileitung diktiert?
Von welchen Pfründen sprechen Sie überhaupt? Posten- und Ämtlischacherei dürfte eher eine Domaine der Linken sein. Die SVP lehnt den Staat nicht ab, bleiben Sie bitte bei der Wahrheit. Die SVP will, dass sich der Staat auf seine Aufgaben konzentriert und dass die Staatsdiener dem Volk dienen und diesem verpflichtet sind. Die SVP kämpft gegen die Tendenz gewisser Volksdiener, welche sich auf Kosten des Volkes mehr Macht zuschanzen wollen. Bundesräte hätten in der EU mehr zu sagen, dafür hätte das Volk weniger zu sagen. (Wäre doch ein gutes Motiv dafür, weshalb der Bundesrat unbedingt der EU beitreten will/wollte/will.)
Wären wir nämlich in der EU sässe die Aussenministerin im Ministerrat und der Bundespräsident im Europäischen Rat, in welchem die Regierungschefs sitzen. Der Bundesrat würde zudem die EU-Kommissare sowie die Richter, welche die Schweiz an den europäischen Gerichtshof entsendet bestimmen. Das Volk könnte lediglich noch alle 4 oder 5 Jahre das Schweizer Kontingent der Europaparlamentarier wählen. Es hätte mit anderen Worten also nichts mehr zu melden. Wollt ihr das wirklich?
Ist ja vorbildlich wie Sie über alles so Bescheid wissen!
Weiterer Fall von SVP-Bashing:
Soeben wurde in der Online-Zeitung 20min ein SVP-Bashing-Artikel mit dem suggestiven Titel: “SVP zerfällt: Berner gründen neue Partei” veröffentlicht.
Im Artikel geht es darum, dass der seit langem angekündigte Austritt der SVP-Dissidentengruppe “Bubenberg” aus der SVP-Bern nun vollzogen wird. In der Gruppe Bubenberg befinden sich SVP-Aussenseiter wie Samuel Schmid, Ursula Haller, Hans Grunder und Urs Gasche.
Wie die Medienfuzzis von 20min darauf kommen, dass die SVP wegen dem Austritt dieser Randfiguren zerfällt, ist mir schleierhaft. Eine logische und nachvollziehbare Begründung für diesen Titel bleibt im Artikel jedenfalls aus.
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