Braucht die Schweiz ein neues Atomkraftwerk?
Am 9. Juni hat der Stromkonzern ATEL beim Bundesamt für Energie ein Rahmenbewilligungsgesuch für den Neubau eines Kernkraftwerks im Solothurner Niederamt eingereicht. Zudem ist ein Gesuch für die Verlängerung der Betriebsbewilligung des Kernkraftwerks Mühleberg* hängig.
Gemäss den Vertretern der Atomlobby sind wir bzw. unsere Wirtschaft auf Bandenergie, also Energie, welche von Kernkraftwerken den ganzen Tag (24 Stunden) zur Verfügung gestellt wird um den Grundbedarf zu decken, angewiesen.
Das neue Kernkraftwerk im Niederamt sowie die Verlängerung der Betriebbewilligung des Kernkraftwerks Mühleberg seien notwendig um eine drohende Versorgungslücke zu füllen. Diese Versorgungslücke entstehe, weil einerseits der Strombedarf weiter zunehme und andererseits die Bezugsrechte von Strom aus dem Ausland (insbesondere Frankreich) auslaufen würden. Eine Erneuerung dieser Bezugsrechte zu günstigen Konditionen sei fraglich, zumal auch Länder wie Frankreich ihren eigenen steigenden Strombedarf decken müssten.
Die klassischen Gegner der Atomenergie aus dem linksgrünen Lager und NGO’s wie z.B. Greenpeace behaupten, dass man auf neue Atomkraftwerke verzichten könne. Sie argumentieren damit, dass Uran, welches für den Betrieb von Atomkraftwerken benötigt wird ein knappes Gut sei, dass der Betrieb von Atomkraftwerken ein hohes Sicherheitsrisiko beinhalten würde und dass das Problem der Endlagerung von radioaktiven Abfällen noch nicht gelöst sei. Sie betonen überdies, dass eine unabhängige Energieversorgung des Landes mit Atomenergie nicht gewährleistet sei, da man auf Uran aus dem Ausland angewiesen sei, welches künftig aufgrund steigender Nachfrage teuer werden könnte.
Als Alternative für den Bau von Atomkraftwerken wollen die Atomkraftgegner erneuerbare und alternative Energien wie z.B. Solarenergie, Wasserkraft und Windenergie nutzen und mittels diverser technischer Massnahmen und gesetzlicher sowie staatlicher Regulierungsmassnahmen den Strombedarf reduzieren.
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Wissenswertes: Die ältesten Atomkraftwerke der Schweiz sind Beznau I (Betriebsbeginn 1969), Beznau II (Betriebsbeginn: 1971) und Mühleberg (Betriebsbeginn: 1972).
Atomkraftwerke decken rund 40% des schweizerischen Strombedarfs ab. Sie produzieren den Strom CO2-frei und haben somit keinen Einfluss auf die Klimaerwärmung.
Uran: Uran ist ein radioaktives Metall, bei welchem bei einer Kernspaltung eine Kernspaltungs-Kettenreaktion ausgelöst werden kann. Es wird von Kernkraftwerken als Primärenergieträger benötigt. Gemäss der mir zugrundeliegenden Quelle gibt es ausreichende Uranvorkommen, die den Betrieb der nächsten Generation von Atomkraftwerken für die gesamte vorgesehene Betriebsdauer gewährleisten können.
Risiken/Probleme: Im Verlauf des Betriebs eines Atomkraftwerkes kann es zu Störfällen kommen, die in Ausnahmefällen zu einer grossen Katastrophe führen könnten wie sie sich 1986 in Tschernobyl ereignet hat. Der Fairness halber muss man jedoch sagen, dass man alte sowjetische Atomanlagen in Bezug auf den Sicherheitstandard und die Technologie nicht mit schweizerischen Atomkraftwerken vergleichen kann (alleine schon deshalb weil die Sicherheitsbestimmungen und die Auflagen des Bundes, welche erfüllt sein müssen um eine Betriebsbewilligung zu erhalten wesentlich strenger sind als in der damaligen Sowjetunion) und dass die Katstrophe, welche sich in Tschernobyl ereignet hat die Folge einer Verkettung von mehreren negativen Ereignissen und Fehlern war, die in dieser Form vermutlich nur in der damaligen Sowjetunion so wie ähnlichen Ländern vorkommen.
*Das Kernkraftwerk Mühleberg ist in der Vergangenheit aufgrund seines Containment-Aufbaus (Aufbau, welcher den Reaktor Druckbehälter umschliesst um im Störfall die Umgebung zu schützen) in die Kritik geraten. So ist er angeblich nicht erdbebensicher! Ebenfalls gibt es an Schweissnähten im Kernmantel offenbar Risse, die immer grösser werden. (Inwiefern diese Kritik stimmt kann ich nicht sagen, die zuständigen Bundesbehörden wären meines Erachtens nach jedoch verpflichtet Massnahmen zu ergreifen wenn diese Kritik berechtig wäre.) Gemäss einem Bericht der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) sind Schweizer Kernkraftwerke so gebaut, dass sie stärkeren Erdbeben standhalten können.
Mit Sicherheit problematisch ist, dass die Aare unterhalb des Kernkraftwerks Mühleberg eine höhere Temperatur aufweist. Dies kann insbesondere an wärmeren Tagen zu einer Beeinträchtigung der Fischpopulation führen. Der Betreiber von Mühleberg ist deshalb offenbar gesetzlich verblichtet die Betriebsleistung zurückzufahren wenn die Wassertemperatur 18° überschreitet.
Probleme gibt es auch in Bezug auf die Endlagerung von radioaktivem Müll. In der Schweiz gäbe es viele geeignete Standorte, die eine sichere Endlagerung für die nächsten paar hundertausend Jahre gewährleisten könnten. Viele Gemeinden wehren sich jedoch gegen eine Endlagerung von Atommüll auf ihrem Gebiet.
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Die Frage, welche ich mir stelle ist, ob man die Atomenergie mittelfristig mit erneuerbaren Energien ersetzen bzw. durch Stromsparmassnahmen überflüssig machen kann. Daran habe ich erhebliche Zweifel. Die Gegner der Atomenergie haben nämlich noch nicht schlüssig aufgezeigt, wie sie die 40% Grundversorgung, welche die Atomkraftswerke derzeit sicherstellen konkret mit anderen Stromversorgern zuverlässig gewährleisten wollen.
Zur Kritik bezüglich der Versorgungsknappheit beim Uran bzw. der Abhängigkeit von Uranlieferungen aus dem Ausland: Die Abhängigkeit von Uran schätze ich persönlich als weniger gravierend ein als die Abhängigkeit von ausländischem Strom, denn um Uran zu beschaffen hat man normalerweise wesentlich mehr Zeit zur Verfügung als um Stromversorgungslücken zu decken. Zudem müsste es möglich sein Uranvorräte anzulegen und so die Versorgung für Jahrzehnte sicherzustellen. Die Beschaffung könnte dann jeweils dann stattfinden, wenn die Uranpreise günstiger sind. Gemäss meinen Informationen genügen die weltweiten Uranvorkommen um die Versorgung mit Atomenergie auf Jahrzehnte hinaus wenn nicht sogar noch wesentlich länger sicherzustellen.
Aufgrund der mir derzeit vorliegenden Informationen bin ich der Ansicht, dass wir mittelfristig (Grössenordnung nächste 50 Jahre) weiterhin im Rahmen eines sinnvollen Energiemixes, der alternative Energieträger miteinbezieht auf Atomenergie setzten und somit das neue Kernkraftwerk bewilligen sollten. Die Verlängerung der Betriebsbewilligung bestehender Kernkraftwerke darf nur erfolgen, wenn strenge Sicherheits- und Umweltauflagen erfüllt sind. Insbesondere denke ich da an Erdbebensicherheit, Sicherheit in Bezug auf Terroranschläge und die Sicherheit unserer Flora und Fauna (Wassertemperatur).
So können wir eine mögliche Versorgungslücke verhindern und gewinnen Zeit um die Effizienz bzw. Zuverlässigkeit alternativer Energieträger zu erhöhen so dass diesen im Verlauf der kommenden 50 Jahre sukzessive mehr Gewicht eingeräumt werden kann.

















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