Startseite » News

3sat ein linker Propaganda-Sender?

Sonntag, 27. Januar 2008 1.293 mal angesehen 5 Kommentare

Der TV-Sender 3sat hat heute eine Reportage von Roland Huber über Gerhard Blocher, den älteren Bruder von Christoph Blocher ausgestrahlt.

 Auf der 3sat Webseite steht folgendes:
“Christoph Blocher, der populistische SVP-Bundesrat, wurde am 12. Dezember 2007 überraschend aus der Schweizer Regierung abgewählt. – Fünf Tage vor der Wahl wurde diese Reportage von Roland Huber über Blocher’s älteren Bruder Gerhard im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. Die darin enthaltenen Aussagen von Gerhard Blocher haben möglicherweise zur Abwahl von Bundesrat Blocher mit beigetragen.”

Ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen. Es ist doch völlig absurd ernsthaft zu glauben, dass ein Parlament hingeht und einen fähigen Bundesrat abwählt, weil sich kurz zuvor dessen Bruder in einer TV-Reportage lächerlich gemacht hat. Es zeugt ja nicht gerade von Professionalität, wenn die Macher eines TV-Senders solchen Schwachsinn behaupten.

Wenn dann noch steht, dass Christoph Blocher ein “populistischer Bundesrat” gewesen sei, sollte eigentlich auch dem Hinterletzten klargeworden sein aus welchem Blickwinkel 3sat urteilt. Ein neutraler und seriöser Sender jedenfalls hütet sich derartigen Schwachsinn zu verbreiten. Schändlich ist, dass 3sat zu allem Übel noch mit unseren Steuergeldern finanziert wird.

5 Kommentare »

  • Anne schrieb:
    avatar

    ich teile ihre Einschätzung bezüglich dem Einfluss der Reportage auf die Abwahl von Ch.Blocher voll und ganz. Man kann in guten Treuen davon ausgehen, dass die gewählten Parlamentarier diese nicht nötig hatten, um ein zu schätzen, wess Geistes Kind der abgewählte Bundesrat ist. Die Nähe zum “Geist” seines Bruders war während all der Jahre seines politischen “Wirkens” ja unübersehbar und zusätzlich in den wöchtentlichen BlocherTV Sendungen eindrücklich feststellbar. Interessanter wäre es gewesen, wäre die Reportage vor dem 21. Okober gesendet worden, den Einfluss auf das Wahlverhalten der Stimmbürger zu beobachten. Ihre Emöprung über über die Bezeichnung “populistischer Bundesrat” scheint mir allerdings etwas gesucht. Wenn sie sich die neueste Ausgabe von Blocher TV anschauen zum Beispiel, können sie unschwer feststellen, dass die Bezeichung “populistisch” mehr als passend ist. Er bezeichnet die am 13.Dezember auf dem Bundesplatz Aanwesenden (vorwiegend Frauen)pauschal als Chaoten. Natürlich kann uns das nicht kümmern (war auch dabei) weil eben Populisten von diesen Verallgemeinerungen und der Verhetzung eines Teiles des Volkes leben und wir uns dies längst gewohnt sind. Ist auch nicht wirklich wesentlich, zeigt aber eben auf, dass Ch. Blocher funktioniert wie sein Bruden. (hätte noch nie von einem anderen Bundesrat, welcher Couleur auch immer, ähnliches gehört. Stellen sie sich vor, Frau Calmy hätte die SVP Demonstranten alle als “einfältiges braunes Pack” oder eben braune Chaoten bezeichnet. Undenkbar. Das genau ist der Unterschied zwischen einem Staatsmann/frau und einem Populisten. Mit linker Sicht hat das nicht das Geringste zu tun :-)

  • Winkelried schrieb:
    avatar

    Eure Meinung in Ehren, aber ihr habt wahrscheinlich noch nie auf einem forderen Listenplatz kandidiert. Die Journalisten nennen das den “Abschussbeitrag”. Es wird eine Geschichte konstruiert und lagen unter der Decke gehalten. Sie erscheint dann genau koordiniert mit dem Versand des Wahlmaterials oder etwa zwei Wochen vorher. Natürlich stimmt nichts, aber bis man das dem Wähler erklärt hat, ist die Wahl vorbei.

    Ich verweise hier auf folgende Ereignisse:
    1. Wahl in Luzern
    2. GPK Story (ging hinten raus)
    3. … die obige Geschichte

    Blocher haben nur 3 oder 4 Stimmen gefehlt, vergisst das nicht.

    Die Presse weiss genau um die Wirkung ihrer Berichterstattung vor den Wahlen und sie nützt es schamlos aus. Sie hätten doch genauso gut einen Bericht über den Sohn von Leuenberger bringen können: auch er hat sehr kurlige Ansichten über Drogen und zur Bisexualität. Auch das Privatleben von Doris Leuthart hätte noch einiges an Interessantem zu bieten …

  • Alexander Müller (Autor) schrieb:
    avatar

    Anne, jeder Politiker muss ein stückweit populistisch sein, wenn er in einer Demokratie Mehrheiten ansprechen will und gewählt werden will.

    Was ist besser? Ein Bundesrat, der gegen den Willen des Volkes ein EU-Beitrittsgesuch in Brüssel einreicht oder ein Populist, der die Strömungen der Massen ernst nimmt und aufgreift?

    Wer ist demokratischer?

    Populismus ist nicht prinzipiell negativ. Böse Zungen behaupten ja der Bundesrat habe das EU-Beitrittsgesuch zum Selbstzweck und zum Schaden des Volkes eingereicht. Ein EU-Beitritt hätte nämlich gravierende Folgen für die demokratischen Rechte des Volkes. Ein EU-Beitritt wäre überdies zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfassungswidrig. Mir ist schon klar, weshalb der damalige Bundesrat der EU beitreten wollte. Der Bundespräsident wäre im europäischen Rat und der Aussenminister im Ministerrat. Der Bundesrat könnte den schweizer EU-Kommissar ernennen und er könnte die schweizer Vertreter am europäischen Gerichtshof vertreten. Das Volk könnte nur noch seine Vertreter fürs EU-Parlament wählen. Doch diese hätten kaum etwas zu melden.

    Wie die EU mit seinen Untertanen verfährt, wissen wir ja spätestens seit die Franzosen und Holländer die EU-Verfassung abgelehnt haben. Was sagte da ein EU-Kommissar? Mögen die Hunde (die Völker) kläffen, die Karawane (der Machthaber) zieht trotzdem weiter. Er hat recht behalten. Man hat sich nämlich nun auf einen EU-Vertrag geeinigt. Faktisch das Gleiche wie eine Verfassung, einzig mit dem Unteschried, dass man das lästige Stimmvolk nicht mehr darüber abstimmen lassen muss.

    So funktioniert das! Da ist mir ehrlich gesagt ein Populist, bzw. ein Volkstribun, der die Anliegen des Volkes aufnimmt wesentlich lieber.

    Winkelried, bin weitgehend Ihrer Ansicht. Was kann Blocher für seinen Bruder? Was kann er für seine Schwester, die eine Linke ist? Die Meinung von Blocher’s Bruder 1:1 als jene von Christoph Blocher auszulegen ist mehr als unseriös. Es ist schlichtweg Schwachsinn. Habt ihr den Bruder von Gerhard Schröder schon mal im TV gesehen? Der macht auch nicht gerade die beste Falle.

  • Anne schrieb:
    avatar

    Es steht ausser Frage, dass Herr Ch.Blocher sich damals mit allen Kräften gegen den EWR Beitritt engagiert hat und eine eindrückliche Mehrheit des Volkes ihm folgte. Das ist ein Fact. Niemand bestreitet, dass er diese Abstimmung gewann. Andere Politiker – auch Bundesräte- haben ebenfalls wegweisende Abstimmungen gewonnen – auch das steht ausser Frage. Im Gegensatz zu Herrn Blocher allerdings, und hier liegt wohl die Erklärung zu der von Ihnen im ursprünglichen Post aufgeworfenen Frage – ohne prinzipiell die Meinungsgegner gleich mit Entwertungen zu dämonisieren. Dies wiederum ist eine bekannte Methode von Populisten. Dass jeder Politker in gewisser Weise populistisch fuktionieren muss, um Mehrheiten zu finden, darüber liesse sich wohl streiten. Bestimmt aber ist es nicht verboten oder grundsätzlich verwerflich. Wenn dies allerdings ein Exekutivmitglied tut, dann ergeben sich m.E. grundsätzliche Fragen. Als Teil des Volkes erwarte ich von einem Bundesrat, dass er mich als solches und gleichzeitig als Meinungsgegnerin – und damit die legitime Meinungsvielfalt in einer Demokratie – respektiert. Dies erwarte ich von jedem Bundesrat. Und dies zu recht. (Ich selber war auch schon Exekutivmitglied und es war für mich selbstverständlich innerhalb des Gremiums in der Sache harte Auseinandersetzungen zu führen und gleichzeitig, sowohl den Meinungsgegner wie seine Wählerbasis zu respektieren.) Hier liegt m.E. die Problematik von Herrn Ch. Blocher, wie jedes Populisten der sich in die Regierungsverantwortung befindet. Bei Herrn Blocher führte das Unvermögen, diesen Respekt dem gesamten Volk (nicht bloss seiner Parteibasis)entegen zu bringen, zu dem logischen Schluss: Seiner Abwahl. Als Oppositionspolitiker wird es ihm nun wieder unbenommen sein, alle Register des Populismus zu ziehen. Niemand wird sich dadurch als “Unschweizer” etc fühlen und deklariert werden müssen.(Es ist eine Anmassung zu behaupten, Herr Blocher würde die Anliegen des Volkes vertreten. Und eine Beleidigung, übrigens ;-) Herr Blocher vertritt allenfalls die Anliegen eines Teiles des Volkes. Mehr nicht. Ob eine BürgerIn als Linker, Nette, Gutmensch oder Weichgespülter..Chaot etc im Winkelriedblog ;-) oder im BlocherTV bezeichnet wird, ist nicht wesentlich und absolut zulässig. Von einem Bundesrat aber ist solches nicht akzeptierbar. Bundesräte haben keine Volksverhetzer zu sein. Das war das Problem von Herrn Blocher. Das ist das Problem des Populismus. Naja. Leider fehlt mir die Zeit, hier fundierter zu werden. Verzeihen Sie. Schöner Tag!

  • sugi schrieb:
    avatar

    “prinzipiell die Meinungsgegner gleich mit Entwertungen zu dämonisieren.”

    Dann ist “Duce” also keine Entwertung und Dämonisierung? Und dies ist nur eine von wenigen Beschimpfungen, welche Blocher über sich ergehen lassen musste. Ausserdem nähme mich noch Wunder, wann und wo Blocher seine Gegner dämonisiert? Es muss ja tonnenweise solche Beispiele geben, wenn das prinzipiell passiert…
    Die linken Politiker haben einfach das Problem, dass sie sich in der Politik immer auf die Person Blocher konzentrieren und nicht auf die Sachgeschäfte…

    ” bekannte Methode von Populisten.” Es ist nicht nur eine bekannte Methode von Populisten, sondern von allen Politikern und damit wären wir beim Thema:
    Jeder Politiker ist ein Populist, spätestens wenn er in den Wahlkampf zieht. Wie will ein Politiker Stimmen holen, wenn er sich nicht nach den Bedürfnissen des Volkes richtet?
    Der Unterschied von linken zu rechten Politikern (den sogenannten “pösen Populisten”) ist wohl, dass die Rechten ihren Populismus auch durchziehen, wenn keine Wahlkämpfe sind (und damit ihrer Linie treu sind (kleines Beispiel: Die SVP will die Löhne der Räte kürzen und der Steuerbelastung unterwerfen: Die ersten, welche dafür sein sollten, sind die Linken (weniger Lohn, weniger Steuerbelastung für den kleinen Mann, mehr Geld für Sozialleistungen, gerechte Besteuerung…) Dreimal darfst du raten, wer nicht dafür ist: genau, Rote und Grüne.

    Wieso der Populismus von unseren Medien immer schlechtgemacht wird, ist ganz einfach: Die grosse Mehrheit der Journis sind linke Wähler. Welcher Journi sagt nun schon zu einem Thema, bei welchem er einen anderen Standpunkt als die Rechten vertritt: “Hey, die Rechten haben ein Bedürfnis der Bevölkerung zum politischen Thema gemacht. Das ist gut.” Viel lieber sagen sie:” Das ist Populismus und Populismus ist schlecht.”
    Dabei ist Populismus genau die Idee der Demokratie: Die Politiker führen aus, was die Mehrheit des Volkes wünscht.

    Zu einem weiteren Punkt in deinem Kommentar:
    Wieso, um Himmels Gottes Willen, sollte ein Exekutiv-Politiker nicht populistisch entscheiden????
    Der Politiker wurde in die Exekutive gewählt, weil er eine Linie vertritt, welche die Mehrheit gutheisst (was genau genommen populistisch ist…) Jetzt soll er plötzlich diese Linie zugunsten eines staatstreuen und unkritischen Verwaltens fallen lassen (=linkes Verhalten)??
    Blocher war eben genau nicht so ein Typ. Was glaubst du, wieso er sein Departement innerhalb von vier Jahren so zusammenschrumpfen lassen konnte?
    Ausserdem: Was Calmy-Rey bietet, ist absolut populistisch. Durch ihre Einmischungen in ausserschweizerische Konflikte, welche ihr eine grosse Medienpräsenz bringen, aber für ein neutrales Land gar nicht in Frage kommen sollten, versucht sie (und schafft sie es auch) in der Schweiz Unterstützung zu erhalten. Wenn das nicht populistisch ist…

    “Von einem Bundesrat aber ist solches nicht akzeptierbar. ”
    Du meinst, es ist nicht akzeptierbar, weil die Medien dies finden und Blocher nur die Wahrheit gesagt hat. Das “Duce” hingegen ist akzeptierbar (und das noch gegen einen Bundesratskollegen notabene!!!) Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie die Medien mit verschiedenen Ellen messen…

    PS: Wieso sollte man nicht als Linker bezeichnet werden. Die meisten Linken, welche ich kenne, sind stolz darauf, links zu sein…

Schreibe deine Meinung!

Füge deinen Kommentar unten hinzu oder nutze die trackback Funktion von deiner eigenen Seite. RSS

Diese Webseite unterstützt GRAVATAR Bilder. Um ein eigenes persönliches Avatar-Bild zu erhalten, registrieren Sie sich bitte bei Gravatar.